Die Nische im Flur ist zu schmal für jeden Schrank aus dem Möbelhaus. Unter der Dachschräge im Kinderzimmer verschwindet seit Jahren Platz. Oder die Innentür klemmt, die Treppe knarrt und die Kommode der Großeltern hat einen losen Fuß. Dann suchen Sie einen Tischler, im Süden sagt man Schreiner. Gemeint ist derselbe Beruf und dieselbe Ausbildung.
Dieser Ratgeber richtet sich an Mieterinnen, Mieter, Eigentümerinnen und Eigentümer in Deutschland, die einen Tischler beauftragen wollen. Sie lesen, welche Arbeiten typisch sind, welches Material für einen Einbauschrank nach Maß in Frage kommt, was die Kosten bestimmt, wie Sie einen Kostenvoranschlag lesen, woran Sie einen eingetragenen Betrieb erkennen und was der Steuerbonus bringt. Konkrete Preise nennen wir bewusst nicht. Sie hängen von Ihrem Vorhaben, Ihrer Region und dem Betrieb ab.
Wofür Sie einen Tischler oder Schreiner brauchen
Ein Tischlerbetrieb plant, fertigt und montiert Arbeiten aus Holz und Holzwerkstoffen. Für Privatkunden sind diese Aufträge besonders häufig:
- Einbauschrank nach Maß: für Nischen, Flure, Schlafzimmer oder vom Boden bis zur Decke. Der Schrank wird genau an Wände angepasst, die selten ganz gerade sind.
- Schrank unter der Dachschräge: schräge Fronten, Auszüge statt Türen, Fächer bis in die letzte Ecke. Hier zeigt sich, ob ein Betrieb sauber plant.
- Türen: neue Innentüren einbauen, eine klemmende Tür nachstellen oder kürzen, Zargen anpassen.
- Treppen-Reparatur: knarrende oder lose Stufen, ein wackeliges Geländer, abgenutzte Trittflächen.
- Möbelreparatur: lose Verbindungen, klemmende Schubladen, beschädigtes Furnier, ein gebrochenes Stuhlbein.
Geht es nur darum, ein fertig gekauftes Möbel aus dem Karton aufzubauen, brauchen Sie meist keinen Tischler. Dafür lesen Sie unseren Ratgeber Möbel aufbauen lassen.
Schreiner-Einbauschrank: Material und Beschläge
Beim Einbauschrank entscheidet das Material über Aussehen, Gewicht und Preis. Die Beschläge entscheiden darüber, wie lange er gut funktioniert. Lassen Sie sich beides erklären und im Angebot genau benennen.
| Material | Eigenschaften | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Massivholz | Natürliche Optik, lässt sich abschleifen und nachbearbeiten | Holz arbeitet bei Wechsel von Feuchte und Wärme; Konstruktion muss das berücksichtigen |
| Mehrschichtplatte | Verleimte Holzlagen, formstabil, sichtbare Kanten möglich | Kanten offen gezeigt oder verdeckt? Oberfläche klären |
| MDF lackiert | Glatte, gleichmäßige Fläche, gut für farbige Fronten | Lackqualität und Zahl der Schichten erfragen; Kanten sind empfindlich |
| Spanplatte beschichtet | Viele Dekore, pflegeleicht | Schrauben halten weniger gut; Bohrungen nicht oft neu setzen |
Bei den Beschlägen lohnt der genaue Blick. Auszüge, Scharniere, Schubladenführungen und Kleiderstangen werden jeden Tag benutzt. Fragen Sie, wie viel Gewicht die Auszüge tragen, ob Türen und Schubladen gedämpft schließen und ob sich Scharniere später nachstellen lassen. Ein günstiger Beschlag spart am Anfang und kostet später Nerven.
Dachschräge und schiefe Wände
Unter einer Dachschräge ist kaum ein Winkel gleich. Ein sorgfältiges Aufmaß vor Ort ist hier keine Formalität, sondern die Grundlage für alles. Klären Sie vorher, wo Steckdosen, Fenster, Heizkörper oder Leitungen liegen und ob der Schrank an der Wand oder am Boden befestigt wird. Wohnen Sie zur Miete, sprechen Sie Bohrungen in Wände und Decken mit Ihrer Vermieterin oder Ihrem Vermieter ab.
Tischler-Kosten: was den Preis bestimmt
Ob ein Betrieb nach Stunden abrechnet oder einen Festpreis für das ganze Möbel nennt, ist unterschiedlich. Vergleichen lassen sich Angebote nur, wenn sie dieselben Leistungen enthalten. Diese Punkte bestimmen den Preis:
- Größe und Konstruktion: Breite, Höhe, Tiefe, Zahl der Türen, Auszüge und Fächer. Schrägen und Ecken machen mehr Arbeit.
- Material: Massivholz, Mehrschichtplatte, MDF oder beschichtete Spanplatte.
- Beschläge: Art und Zahl der Auszüge, Scharniere, Führungen und Griffe.
- Oberfläche: geölt, lackiert, farbig lackiert oder beschichtet.
- Aufmaß und Planung: Termin vor Ort, Zeichnung, Abstimmung.
- Montage: Einbau bei Ihnen, Anpassen an Wände und Decke, Entsorgung von Verpackung.
- Anfahrt: Fragen Sie, ob sie enthalten ist oder gesondert berechnet wird.
Bei Reparaturen gilt dasselbe Prinzip. Eine klemmende Tür nachzustellen ist etwas anderes als eine Treppenstufe auszutauschen. Fotos und Maße helfen dem Betrieb, den Aufwand einzuschätzen. Eine Einschätzung nach Fotos ist aber noch keine Zusage.
Beschreiben Sie Ihr Vorhaben, nennen Sie die Maße und legen Sie Fotos bei. Auf Hirovo geben Sie kostenlos eine Anzeige auf. Tischler in Ihrer Nähe sehen sie, bewerben sich oder schreiben Ihnen. Wen Sie beauftragen, entscheiden Sie.
Kostenlos Anzeige aufgeben →Der Kostenvoranschlag: verbindlich oder unverbindlich
Bevor Sie einen Auftrag erteilen, sollte ein schriftlicher Kostenvoranschlag vorliegen. Klären Sie als Erstes, ob er verbindlich oder unverbindlich ist. Ein verbindlicher Kostenvoranschlag legt den Preis fest. Ein unverbindlicher ist eine Schätzung, und die Rechnung kann davon abweichen. Fragen Sie auch, ob der Kostenvoranschlag selbst etwas kostet.
Schriftlich festhalten sollten Sie:
- die genauen Maße und eine Zeichnung oder Skizze,
- das Material für Korpus und Fronten,
- die Beschläge mit Art und Zahl,
- die Oberfläche und den Farbton,
- ob die Montage enthalten ist,
- den Termin für Lieferung und Einbau.
Änderungen immer schriftlich. Wünschen Sie während der Planung eine andere Oberfläche, zusätzliche Auszüge oder eine andere Aufteilung, ändert sich meist auch der Preis. Lassen Sie sich jede Änderung mit dem neuen Betrag per Nachricht oder E-Mail bestätigen. Ein mündliches „Das machen wir schon“ hilft Ihnen später bei der Rechnung nicht.
Seriösen Tischlerbetrieb erkennen
Das Tischlerhandwerk ist in Deutschland zulassungspflichtig und steht in Anlage A der Handwerksordnung. Ein Betrieb, der dieses Handwerk selbstständig ausübt, muss in die Handwerksrolle eingetragen sein. Fragen Sie nach der Handwerkskarte. Ein eingetragener Betrieb zeigt sie Ihnen ohne Umstände.
- Name und Anschrift: Der Betrieb nennt seine Anschrift auf der Website, im Angebot und auf der Rechnung.
- Beispiele: Fotos von ähnlichen Arbeiten, etwa einem Schrank unter einer Dachschräge, zeigen, ob er Erfahrung mit Ihrem Vorhaben hat.
- Aufmaß vor Ort: Wer einen Einbauschrank ohne Termin bei Ihnen fest anbietet, plant mit Annahmen.
- Rechnung: Sie bekommen eine Rechnung mit Leistung, Betrag und getrennten Arbeits- und Materialkosten.
Weitere allgemeine Tipps, wie Sie Angebote vergleichen und einen Auftrag sauber vergeben, finden Sie auch in unserem Ratgeber zur Handwerkersuche.
Steuerbonus nach § 35a EStG
Handwerkerleistungen in Ihrem Haushalt können steuerlich begünstigt sein. Dann ziehen Sie 20 Prozent der Arbeitskosten von der Steuerschuld ab, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Material zählt nicht mit. Begünstigt ist die Arbeit in Ihrem Haushalt, also zum Beispiel die Montage des Schranks oder die Reparatur der Treppe vor Ort. Die Fertigung in der Werkstatt gehört nicht dazu. Nötig sind eine Rechnung und eine Überweisung. Fragen Sie im Zweifel Ihren Steuerberater.
So läuft ein Auftrag ab
Zuerst beschreiben Sie Ihr Vorhaben und schicken Fotos und grobe Maße. Dann folgt meist ein Termin vor Ort für das Aufmaß. Danach bekommen Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag. Erst wenn Maße, Material, Beschläge, Oberfläche, Montage und Termin stimmen, erteilen Sie den Auftrag. Der Betrieb fertigt in der Werkstatt und montiert bei Ihnen. Prüfen Sie nach dem Einbau, ob Türen und Auszüge leicht laufen und die Fugen gleichmäßig sind. Mängel melden Sie dem Betrieb sofort und schriftlich. Am Ende zahlen Sie gegen Rechnung per Überweisung.
Tischler finden mit einer kostenlosen Anzeige bei Hirovo
Auf Hirovo geben Sie kostenlos eine Anzeige auf. Tischler und Schreiner aus Ihrer Region sehen sie, bewerben sich oder schreiben Ihnen in der App. Wen Sie beauftragen, entscheiden Sie. Hirovo ist in Deutschland noch klein, und in manchen Regionen kann es dauern, bis sich jemand meldet.
Damit keine falsche Erwartung entsteht: Hirovo prüft Anbieter nicht, kontrolliert keine Handwerkskarte und ist weder Arbeitgeber noch Vermittler. In die Anzeige gehören Fotos vom Raum oder vom beschädigten Teil, die Maße, das Wunschmaterial, die gewünschte Oberfläche und der Zeitraum. Nennen Sie den Stadtteil, nicht Ihre Adresse; die bekommt erst der Betrieb, den Sie auswählen.
Kurz gesagt
Tischler und Schreiner sind derselbe Beruf. Für einen Einbauschrank nach Maß bestimmen Größe, Konstruktion, Material, Beschläge, Oberfläche, Aufmaß, Montage und Anfahrt die Kosten. Vergleichen Sie Angebote mit denselben Positionen.
Fragen Sie nach der Handwerkskarte, klären Sie, ob der Kostenvoranschlag verbindlich ist, und halten Sie alles schriftlich fest. Zahlen Sie gegen Rechnung mit getrennten Arbeitskosten per Überweisung. So sichern Sie sich einen Schrank, der passt, und den Steuerbonus für die Montage.
